Die Rolle der Mitte

 

 

 

 

Die Mitte ist die Mutter der Bewegung, jeder Bewegung. Für eine Mitte ist jede Bewegung Teil eines Kreislaufes oder Rades.

Die Stille in der Bewegung des Atemzuges ist der Motor, mit dem unsere Mitte unser Leben erhält. Sie ist das gute Gefühl, der Schwung, das Nichts um das sich alles dreht.

 

Wenn wir den Versuch unternehmen, uns in eine Mitte hineinzuversetzen, so würden wir uns wohl im Kreis fühlen. Ein Kreis ist rund, ohne Ecken, jeder Punkt außen, am Rand der runden Linie des Umfanges ist gleich weit weg von uns, alles ist uns bekannt und entspricht uns. Denn die Mitte als Punkt an der Schwelle zum Nichts, zur Leere, ist ebenfalls rund, nie vier, oder gar dreieckig.

 

Die runde Form eines Kreises umfasst bei der kürzesten Außenlinie die meiste Innenfläche. Jede Abweichung zum eckigen belastet das Verhältnis, die Harmonie von Mitte und Rand, von Innen und Außen.

 

Wenn wir die Welt der Geometrie verlassen, und uns der Welt, in der wir Leben, zuwenden, wissen wir mittlerweile durch die

Erkenntnisse der Naturwissenschaften, Physik und Astronomie, dass unser Planet, auf dem wir leben, ein Ball ist, ja alle Gestirne die wir kennen, der Mond, die Sonne und ihre Planeten haben die Form einer Kugel. Die Kugelform entspricht  Weltraum dem Kreis im flachen Land der Geometrie.

 

Genauso wie im Makrokosmos der Himmelskörper die Kugel sich dreht, so drehen sich im Mikrokosmos der Atome die Elektronen auf der Oberfläche eine Kugel um ihren Kern, der ihre Mitte ist, und selbst der Kern ist rund, wie seine Teilchen. Sobald ein Körper sich bewegt und dreht, wirkt die Kraft der Mitte und formt die Außenseite, oder die Oberfläche rund.

 

Ein Körper der sich nicht bewegt bekommt Ecken, Kanten, wird spitz und fällt aus seiner Balance. Fängt nicht eine Mitte ihn in seinem Sturz auf, so beginnt er zu zerfallen, in Einzelstücke, zu Staub und jede Organisation die ihn leben lässt, verrottet im Chaos bis letztlich nur wieder die Harmonie der einzelnen Atomteilchen und ihrer Kreisläufe eine neue Ordnung, eine neue Harmonie darstellen.

 

Wenn wir uns jetzt wieder in eine Mitte hineinversetzen, so erfüllen wir unsere Aufgabe um so besser, je mehr sich um uns dreht. Die Mitte eines Wasserstoffatomes oder die Sonne, die Mitte unseres Planetensystems zu sein, bedeutet einen Unterschied an Macht und Einfluss.

 

Die Ordnung, die einer Mitte Macht gibt, ist die Ordnung der Bewegung im Gleichgewicht. Erstarrung bedeutet Chaos, Bewegung bedeutet Balance und Schönheit. Der Weg einer Mitte zur Macht heisst, die Dinge um sie herum zu bewegen und in Harmonie leben zu lassen. Eine Mitte liebt ihr Äußeres, freut sich am Kräftespiel, am rhythmischen hin und her zwischen außen und innen.

 

Die Anziehung hält das Außen am Innen fest, und die Bewegung, der Kreislauf treibt es von innen fort und bildet so den Rand, oder den Grund. Das Wissen um das Wesen dieses Zusammenhanges ist der Kern eines jeden Organismus. Wollen wir also in eine Mitte kommen, so dient als Weg dorthin unser Wissen um die Zusammenhänge von außen und innen, von Welt und ich, von Ernst und Spiel.

 

Matrix und Mitte

 

Lehrgebäude projezieren die Vorgänge der Welt in der wir leben auf eine flache Ebene, das Feld der Sprache und der Schrift, so wie die Geometrie eine Projektion der dreidimensionalen Formen auf zweidimensionale Darstellungen ist. Damit dieses Kunststück gelingt, bedarf es einer Matrix, einer Denkschablone.

 

Wenn wir die Kartographie als Beispiel nehmen, so ist es unmöglich die Oberfläche des Erdballes zu verebnen, ohne die Oberfläche zu verzerren, d.h. die Wirklichkeit, die Größenverhältnisse und Zusammenhänge werden mit Hilfe eines Schemas auf die Ebene übertragen. Diese Schablone oder Matrix ist bei der Kartographie entweder ein Kegel, der die Gegenden an den Polen größer erscheinen läßt als sie sind, oder ein Zylinder, der wieder andere Nachteile oder Vorteile hat. Jeder kann die Schwierigkeiten, die die Verebnung eines Körpers mit sich bringt, an einer Orange ausprobieren.

 

Malen Sie auf eine Orange ein Bild. Und nun schälen Sie die Orange und legen die Schalen flach auf den Tisch, so dass keine leeren Lücken zwischen den einzelnen Schalen zurückbleiben, und das Bild wieder ein einheitliches Ganzes bildet. Je nachdem wie man die Orange geschält hat wird es wirklichkeitsgetreue und verzerrte Abbildungen des ursprünglichen Bildes auf dem Tisch

geben.

 

Diese Schnittmuster kann man eben kegelförmig, viereckig oder zylindrisch wählen und dementsprechend wird die Wirklichkeit dargestellt oder verzerrt. Wollen wir nun die Vorgänge, die das Leben mit sich bringt der Lehre oder Philosophie gedanklich nachvollziehen und damit arbeiten, so geschieht ein ähnlicher Prozess wie beim Schälen unserer Orange.

 

Wir müssen ein Schema, eine Bewegungsrichtung als Basis unseres Weltbildes auswählen und die Vorgänge des Lebens daran aufhängen. Dabei gibt es genauso Verzerrungen und Richtigkeiten wie beim Verebnen der Erdoberfläche.

 

Betrachten wir nun unter diesem Gesichtspunkt die alten Religionen und Gesellschaftsstrukturen, so fällt auf, dass das Prinzip des Dreiecks, des Keils, oder der Pyramide häufig bis ausschließlich vorkam. Heute benutzen wir die Matrix des Kreises um uns zu organisieren.

 

Dieses Bestreben im Einklang mit den ständig sich ändernden Verhältnissen zu leben, bringt Ordnung ins Chaos, erlaubt jedem aus seiner Motivation heraus zu handeln und sein Tatenrad zu drehen. Dadurch wird der gesellschaftliche Organismus gesund und heil. Diejenige Volkswirtschaft, die ihren Bürgern Freiheit und Weisheit erlaubt, erringt damit am leichtesten Einfluss über Staaten die unterentwickelt sind.

 

Abkehr von Gewalt und Unterdrückung als Mittel der Machtausübung kann nur mit Hilfe von Bildung und Aufklärung der Massen erfolgen. Die Themen, um die sich unsere Ausbildungsweisen drehen, sind die Kreisläufe des Lebens und um deren Motor, unsere Mitte.

 

 

Macht der Mitte

Die Macht der Mitte wächst unaufhaltsam, wenn wir lernen, wie wir auf sie achten können, wie wir uns konzentrieren können und dadurch nicht mehr unseren und fremden Gedanken dienen, sondern dass unsere Gedanken uns dienen, glücklich und erfüllt zu leben.

 

Dieses Know how ist soviel wert wie alle Rohstoffe dieser Welt, und wer über dieses Wissen verfügt und es richtig anwendet, gibt den Ton an, bei der Musik, die weltweit gespielt wird.

 

Bei einem lebendigen Organismus dreht sich nicht nur ein Rad, sondern eine Vielzahl großer und kleiner Räder arbeiten zusammen, wie ein Uhrwerk. Befindet sich ein Rad innerhalb eines solchen Systems, wirkt als Motor der Bewegung nicht allein die Mitte, sondern genauso gut der Rand, oder der Grund, der fest verzahnt im Räderwerk des Systems den Schwung aller aufnimmt und mit beeinflusst.

 

Ein Rad hat einen Grund, den Rand, und eine Mitte, den Motor. Würden alle Räder nur von außen bewegt, ginge der Schwung des Systems bald verloren. Es würde stehen bleiben oder zusammenschrumpfen, bis sich der Zusammenhalt auflöst und kein Teil mehr auf Unterstützung von außen hoffen kann, sondern sich der Kraft seiner Mitte besinnen muss, um wieder in Bewegung und Balance zu kommen.

 

Ist der äußere Anlass allein der Grund zum Bewegen, kommt jede Motivation nur von außen, verliert das Spiel an Bedeutung, laufen die Räder heiß und fressen sich irgendwann fest. Ohne Spiel im Leben macht nichts Spaß und Freude, und keiner sieht ein, warum er sich bewegen und arbeiten sollte.

 

 

Je grösser und substantieller der Mittelpunkt eines jeden Zyklus ist, desto mehr eiert das Rad, läuft unrund und verliert schnell an Schwung. Der Mittelpunkt sitzt fest und sicher am richtigen Platz und ganz, ganz genau an der richtigen Stelle, wenn er klein und kleiner wird, bis er im Nichts verschwunden ist und nur die reine Leere zurückbleibt, der ruhende Pol, das Auge im Sturm, die Insel im Meer der Seligkeit, voll und leer zugleich.

 

So herrscht das Zentrum zum Wohle seines Umfeldes über sein Reich, es dient dem Glück jedes einzelnen Wesens und hält alles in Bewegung und am laufen, dadurch dass es gefühlvoll und weise gibt und nimmt ohne massiv zu sein.

 

Die Fülle der Macht, die Möglichkeiten der Einflussnahme die ein Zentrum gibt, die Führung über seine Umwelt zu erringen, übt für viele Menschen eine geradezu unwiderstehliche Anziehungskraft aus, und sie werden dann nur noch von dem einen Gedanken getrieben, selber die Mitte sein zu wollen. Personen haben jedoch eine zu unübersehbare Breite und Schwere, so dass es kein Rad gibt, das groß genug wäre, um sei klein und leicht erscheinen zu lassen. Besetzen diese Personen nun die Mitte, bzw. versuchen es, beginnt das Rad beginnt zu schleudern und gerät vom Kurs ab, es stockt und es fängt an zu zerfallen. Der Schwung, der im Kreislauf gespeichert ist, wird zur Gewaltausübung und Zerstörung verwendet, das System wird dadurch geschädigt und geschwächt, bis es sich auflöst.

 

Der Versuch einer Person, sich in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen scheitert regelmäßig, früher oder später. Personen eignen sich nicht als Zentren der Ordnung. Eine gerechte und gute Ordnung kann nur von einer Lehre ausgehen, einer Philosophie oder Weltanschauung, die jeder Person die Möglichkeit schafft, sich im Einklang mit seiner Umgebung zu bewegen, zu leben und zu arbeiten, nie von einer Person.

 

Personen eignen sich je nach ihrer Bildung höchstens dazu, diese Lehren zu übermitteln und zu übersetzen, sie durchklingen zu lassen und die Praxis die Umsetzung wird offensichtlich machen, was gute und falsche Lehren, wer ein guter und schlechter Lehrer ist.

 

Stellen wir also eine Lehre in den Mittelpunkt eines Systems, so muß diese Lehre eine Bedingung erfüllen, Qualitäten besitzen, die jeder Mitte zu eigen sind. So muß diese Lehre beweglich sein, rund, anpassungsfähig und dynamisch. Jeder, ob arm oder reich, dumm oder gescheit, sollte sie erlernen und anwenden können, sie wirkt bei jedem richtig und doch nicht für alle gleich Still, ohne Propaganda entfaltet sich ihre Wirkung und das Resultat ihres Wirkens bringt innen und außen in Ordnung, rundet die

Gegensätze ab, lässt die Zacken und Kanten verschwinden.

 

 

Um diese Lehre dreht sich ein Rad, so gefühlvoll und weise, so bunt und fest, dass selbst das Licht auf seiner zeitlosen Reise in die Ewigkeit einen Augenblick verweilen wollte, um diese Schönheit zu genießen.

 

Eine gute Lehre lebt und bewegt sich, sie ordnet die Gedanken ihrer Anhänger, macht sie froh und glücklich.