Der Feuerkomplex

 

Neben der Erfindung des Rades, gilt die Zähmung des Feuers als eine der entscheidenden Leistungen unserer Urahnen. Die Zähmung des Feuers war es, die den Menschen bis heute prägt. Wieso?

 

Betrachten wir ein Feuer, so werden unsere Augen wie automatisch von den flackernden Flammen angezogen. Der Blick wird starr und man kann stundenlang in das lodernde Feuer glotzen, ohne daß es einem langweilig wird. Die Gedanken drehen sich um das Wesen des Feuers, wir spüren auf der Haut, im Gesicht, seine Wärme und erkennen in den Flammen das Spiel unserer Gedanken. So ist das heute und so war das, seit die Menschen das Feuer selber anzünden konnten.

 

Die Geburt des Feuers

Es ist wie Weihnachten, die kalte Nacht lässt uns frieren und die Dunkelheit macht uns Angst und Bang. Da kommt der Funke geflogen, einer hat ihn erzeugt, mit Feuerstein oder Reibholz, oder jemand hat ihn mitgebracht. Wir betten den Funken in Heu und Stroh, salben ihn mit Öl und hauchen ihm Leben ein, bis aus diesem Funken die erste kleine Flamme wächst. Das leise Knistern erscheint uns wie himmlische Musik, das Licht ist wiedergeboren, bald ist es warm und alles wird gut. Ochs und Esel stehen schon als Mahl bereit, bald können wir wieder kochen und braten. Der Lichterglanz der Flamme macht uns selig und Freude spiegelt sich in unseren Augen.

 

Kerzenflamme und Lagerfeuer

Bis vor kurzem, genau bis zur Erfindung von Glühbirne und Gaslampe, war das Flammenlicht die einzige Lichtquelle in der Nacht. Lagerfeuerromantik und der Zauber der Kerzenleuchter ziehen uns bis heute in ihren Bann. Das ging so und nicht anders über Jahrtausende so zu.

 

Im flackernden Kerzenlicht oder im Lodern der Kienspäne saßen unsere Ahnen und dachten über das Leben nach. Ins Lagerfeuer, oder in die Kerzenflamme starrend, entwickelten sich ihre Religionen, Philosophien und Denksysteme. Dabei wurde automatisch das Wesen des Feuers in diese Gedankengebilde eingewoben und wurde eine tragende Säule dieser Weltbilder

 

Das Wesen des Feuers

Wenn ein Feuer brennt, braucht es dazu Brennstoff. Dieser löst sich im Feuer gänzlich auf und übrig bleibt nur Asche. Beim Brennen entsteht Licht und Wärme, die über alles geliebten und notwendigen positiven Eigenschaften, aber auch Rauch, Ruß und Qualm. Ein Feuer macht die Atemluft ungenießbar und zerstört dabei den Stoff aus dem es lebt. Dies das ein grundlegender Wesenszug jeden Feuers.

 

Damit es nicht ausgeht, muß man sich dauernd darum kümmern, Holz nachlegen, Brennstoffvorräte ansammeln und vor allem aufpassen, es überwachen, daß es nicht außer Kontrolle gerät. Es wird zum Mittelpunkt unseres Handelns und Denkens. Nicht alles, aber doch eine ganze Menge, dreht sich um die Erhaltung dieser Energiequelle. Ein weiterer Wesenszug ist also, daß es unsere Aufmerksamkeit in seinen Bann schlagen kann.

 

Die Entwicklung der Technik

Im Laufe der Jahrtausende wurden die Kontrolle über das Feuer von uns Menschen perfektioniert. Wir entwickelten neue Materialien, um ihm einen sicheren Platz zu geben und um unser Leben zu erleichtern. Lehm wurde zu Ton gebrannt und aus den Erzen begann man Metall zu gewinnen, Kupfer, Messing, Eisen, Stahl, Glas. Im letzten Jahrhundert kamen dann noch die chemisch erzeugten Stoffe hinzu, vor allem Plastik. Ohne Feuer wäre das alles nicht  möglich gewesen.

 

 

Verwendung des Feuers

Mit Feuer erzeugen wir Licht, Wärme, Metalle, Plastik uva. Wir verwenden es zum kochen von Pflanzen, Reis, Brot backen, zum Braten und grillen von Tieren. Ohne Feuer könnten wir vom Fleischessen nicht leben.

 

Seit der Erfindung der Dampfmaschine benutzen wir das Feuer auch noch als Antriebskraft, um uns und unsere Lasten zu bewegen. Vorher hatten die Menschen dafür nur Pferde, Ochsen oder Esel zur Verfügung. Die Dampflok und Eisen ermöglichten Eisenbahnen. Neue Welten, neue Zeiten taten sich auf.

 

Danach kam die Erfindung des Verbrennungsmotors, dieser ließ uns unsere Autos, Schiffe und Flugzeuge bauen, mit denen wir so leicht beweglich sind. Dies alles geht nur, weil wir Feuer anzünden und es beim brennen kontrollieren. Wir haben es versteckt und kultiviert, nichts erinnert uns mehr an das Entzünden eines Funkens, wenn wir den Zündschlüssel rumdrehen, Gas geben und losfahren. Aber dennoch, das Feuer muß brennen, sonst geht gar nichts.

 

Elektrischer Strom wird größtenteils auch aus Feuer erzeugt. Elektrizität, die Entdeckung des Stromkreises macht uns aber auch vom Feuer unabhängig, da dieser auch mit Wasser, Wind oder Sonnenkraft erzeugt werden kann. Die Entdeckung des Stromkreises war ein Meilenstein auf dem Weg vom Feuer.

 

Vom Funken zum Waldbrand

Funke                    erlösend

Kleine Flamme        süß, niedlich, leuchtend

Lagerfeuer             nützlich, kochen, braten, grillen, heizen

 

Bis jetzt ist alles unter Kontrolle, das Feuer geht wieder aus, wird Glut und wenn das letzte Glutauge wieder erloschen ist, ist das Feuer gestorben.

 

Dann geschieht es immer wieder, daß ein Feuer außer Kontrolle gerät, Häuser verbrennen, ganze Städte und Dörfer werden immer wieder ein Raub der Flammen. Die  Feuerwehr muß retten, einer für alle und alle für einen. Hat das Feuer von einem Haus Besitz ergriffen, kann nur noch seine Ausbreitung verhindert werden, indem man das brennende Haus opfert, es mit Wasser zusätzlich verwüstet, um das Feuer zu löschen.

 

Waldbrände, Buschfeuer, sind Zeugnisse von Verheerung, Verwüstung. Das Feuer wächst potentiell. Je größer es ist, desto schneller verbrennt es allen Brennstoff und wütet so lange, bis der Brennstoff verbrannt ist, oder es wieder unter Kontrolle gebracht wird.

 

Feuer als Waffe

Die Explosionskraft des Feuers wird  kontrolliert als Waffe eingesetzt. Bombennächte, Feuerstürme, Scheiterhaufen, Flammenwerfer, Granaten, Schußwaffen, Feuerkraft, Feuer frei usw. Feuer kann sich explosionsartig ausbreiten.

 

Hier beginnt sich das Feuer gegen das Leben des Menschen zu wenden und diejenigen sind die Mächtigen, die die größte Feuerkraft besitzen, denn sie entscheiden, was und wer leben darf. Die Militärmaschine gibt Zeugnis von  der Feuerkraft und benutzt Menschen als Brennstoff.

 

 

 

Die  kulturelle Komponente 2010

Wie viele Jahre vergangen sind, seit die ersten Lagerfeuer brannten weiß keiner. Aber eines ist in den letzten Jahren deutlich geworden: Das Wesen des Feuers hat sich in das menschliche Bewußtsein eingebrannt und seine Wesenzüge bestimmen unsere Systeme heutzutage immer noch.

 

Wir lieben es, in Lichtquellen zu starren, früher waren es die Flammen und Funkenregen, heute ist es der Fernseher oder ein Monitor. Dabei können wir uns gut Gedanken machen.

 

Die kapitalistischen Systeme beruhten auf ständigem Wachstum bei gleichzeitiger Vernichtung der Lebensgrundlage desselben. Ohne Wachstum keine Arbeit, so hießen die Schlagworte damals.

 

Ein weiterer Gipfel der Feuervergötterung war erreicht, als sie  begannen mit CO2 Emissionen Handel zu treiben. Nichts weiter als Rauch und Qualm, Abfallprodukte eines Brandes, wurden zur Quelle des Gelderwerbs.

 

Der elementare Irrtum
Das Feuer hat es geschafft auf gleiche Stufe wie Erde, Wasser und Luft gestellt zu werden. Dabei ist es zur Erhaltung und Entstehung des Lebens keinesfalls nötig. Vielleicht ist die Asche, die bei Buschbränden entsteht, gut als Dünger, aber das ist einfach zu wenig, um das Feuer als Element einzustufen.

 

Feuer verträgt sich nicht mit Wasser, Wasser löscht jedes Feuer sofort aus. Feuer kann Wasser nur zum Kochen und Verdampfen bringen. Aber jede Berührung löst eine Vernichtung des Brennvorgangs aus.

 

Feuer verträgt sich nicht mit Luft. Es benutzt die gute Atemluft um zu brennen, verpestet sie aber dabei, fügt ihr also nur Schaden zu.

 

Feuer, das aus der Erde kommt, vulkanischen Ursprungs ist, hat sicherlich eine elementare Komponente. Wenn es abkühlt, wird es dann aber zu Erde und Steinen. Dieses Feuer ist also grundsätzlich anderer Natur, nämlich erdig,  als die Feuer, die wir so lieben. Feuer, das aus der Erde kommt, können wir nicht kontrollieren.

 

Im menschlichen Körper, im Stoffwechselprozess wird zwar Nahrung verbrannt, in Energie umgewandelt, Sauerstoff eingeatmet und Kohlendioxyd ausgeatmet. Das heißt aber noch lange nicht, daß in unserem Inneren ein Feuer brennt. Der Körper besteht zum überwiegenden Teil aus Wasser, und erst wenn wir es schaffen, Feuer im Wasser zu entzünden, kann man sagen, daß das Feuer zum Leben nötig ist.

 

Was wir aber zum Leben brauchen ist Energie. Diese Energie kann man durch Feuer  erzeugen, es geht aber auch anders, das Sonnenlicht reicht in der Natur dazu aus. Der Name für das vierte Element ist also Energie und nicht Feuer. Es ist ein elementarer Irrtum, Energie und Feuer gleich zu setzen. Energie ist viel mehr, viel reiner, viel reichlicher vorhanden als nur im Feuer.

 

Die Gleichsetzung dieser beiden ist eine der Ursachen für die Leiden, die wir als Menschen haben und erzeugen und die wir der Umwelt zufügen. Während wir stolz über unsere Macht in unser Feuerchen starren, brennt um uns herum schon unsere Hütte ab.

 

Was ist zu tun?

Wie lassen sich die Brandnarben in unseren Herzen und Hirnen heilen?

Mit Wasser, dadurch, daß wir erkennen, daß wir aus Wasser sind und in diesem Wasser Energie fließt, die uns am Leben erhält. Das hat mit Feuer überhaupt gar nichts zu tun, wir können ohne Feuer wunderbar leben.

 

Die Feuermatrix

Ein Feuer entwickelt sich exponentiell, es beginnt mit dem Funken, brennt eine zeitlang und geht dann aus. Wenn das Feuer wächst, vernichtet es seine Existenzgrundlage und bildet keine neue aus. Es lebt nur aus dem Wirken und Schaffen der Naturkräfte. Es erhebt sich deshalb darüber und meint, allem Lebendigen überlegen zu sein, da es dieses ja vernichten kann, ja vernichten muß, um selber leben zu können. Die Beschäftigung mit dem Feuer hat in uns das keilförmige Denken mit allen Vor und Nachteilen entstehen lassen und die zyklischen Weltbilder verdrängt.

 

Diese Eigenschaft des Feuers ist eine grundlegende Überzeugung in den menschlichen Weltbildern geworden. Du kannst nur leben, wenn du andere vernichtest. Friss oder werde gefressen, leben und sterben lassen.

 

Mit dem Feuer haben wir uns über die Kreisläufe der Natur erheben können, haben uns unsere eigene Welt schaffen können. Dabei haben wir nicht bedacht, daß wir unser Feuer auch versorgen müssen, also von diesem abhängig geworden sind. Sie hatten Angst, genügend Brennstoffe, Benzin, Kerosin, Kohle, Öl, Holz herzukriegen und waren bereit, die ganze Welt dafür den Flammen zu opfern, nur damit ihnen diese Überlegenheit erhalten bleibt.

 

 

 

Ein hundert Jahre altes Fragment

 

Der weltweit steigende Energiebedarf, verbunden mit CO2 Emissionen bedeutet nichts anderes als das, daß so viele Feuer wie vorher noch nie auf der Erde gebrannt haben. Tag und Nacht brennen Lagerfeuer, in den Motoren unserer Autos, Fliegern und Schiffen, in den Kraftwerken, in den Heizungen. Öfen überall, sogar die Regenwälder stehen in Flammen.  Das ist das Problem, das Feuer ist außer Kontrolle geraten und wir wissen nicht, wie wir es wieder zähmen können, ohne daß wir wieder hungern und frieren müssen, oder es uns auch noch verbrennt. 

 

Wie läßt sich das exponentielle Wachstum der Feuersbrunst auf ein erträgliches Maß reduzieren, ohne daß alles zusammenbricht? Wie lässt sich der Krieg um die Ölvorräte verhindern? Der Krieg ist die logische Konsequenz der Feueranbetung, denn da erleben wir, wie das Feuer Leben nimmt und wer die stärkste, intelligenteste Feuerkraft, sprich Waffensysteme, besitzt, wird überleben.  Das ist die Realität in den Gehirnen der Feuerführer.

 

Diese Angst vor dem Zusammenbruch ist nichts anderes als ein Wesensmerkmal des Feuerglaubens, denn diese Angst hat jedes Feuer in sich, da es nichts selber schafft, seinen Lebensunterhalt rauben muß und nicht weiß wie es leben soll, wenn es keinen Brennstoff mehr gibt.

 

Das Leben geht aber trotzdem weiter, da es vom Feuer unabhängig ist. Wir sind am Leben und lernen wieder, unsere Energiequellen neu zu entdecken. Diese sind unerschöpflicher Natur und in den Kreisläufen der Natur zu Haus. Wir müssen uns nur aus der Sklaverei befreien. Wir sind die Sklaven des Feuers geworden, wir leben um das Feuer am Leben zu erhalten. Freiheit ist was anderes, als immerzu nach Brennmaterial zu suchen und neue Feuer zu schüren. Das ist, einfach ausgedrückt, die Grundlage unserer wachstumsorientierten Wirtschaftssysteme.